Programm 2010

Friendship-Force-Jugend nach Moskau und St. Petersburg

Auch in diesem Jahr organisiert Friendship Force Varel (FFV) wieder die Teilnahme von Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren aus seinem Einzugsbereich am internationalen Jugendtreffen Global Youth Institute (GYI), das in diesem Jahr vom 21. Juni bis 9. Juli in Moskau und St. Petersburg ausgerichtet wird.

Das dreiwöchige Programm, an dem durchschnittlich etwa 40 Mädchen und Jungen verschiedenster Nationalitäten teilnehmen und als Gäste russischer Familien Land und Leute aus deren Perspektive erleben werden, wird in Zusammenarbeit mit der Partnerschule Nummer 2006 und einem regionalen Umweltzentrum in Moskau und in St. Petersburg durchgeführt.

Wie in den Jahren zuvor werden die Jugendlichen, die an multikulturellen Erfahrungen interessiert sind, sprachlich (englisch) und inhaltlich unter der bewährten Leitung von Horst Neumann, Telefon 04451-3871, und Kerstin Suhren auf ihre Teilnahme an dem Projekt gründlich vorbereitet.

Sie haben Friendship Force Varel in Moskau und St. Petersburg vertreten,

Lotta schreibt nach der Teilnahme am GYI 2010:

Lieber Herr Neumann,

ich möchte mich wirklich vielmals dafür bedanken, dass ich die Chance bekommen habe, mit Friendship Force nach Russland zu fahren.

Die Reise war für mich etwas besonderes, da ich noch nie zuvor alleine in den Urlaub gefahren war und mir GYI eine tolle Verknüpfung aus Gastfamilie, Sprachreise, Sehenswürdigkeiten und Spaß geboten hat, da ich mich sonst nur zwischen Hotelurlaub oder Sprachreise hätte entscheiden können.

Der erste Eindruck, den wir Deutschen von Russland bekommen haben, war nicht unbedingt der beste: Wir mussten eineinhalb Stunden an der Passkontrolle anstehen, haben wegen der schlechten Beschilderung ewig lange nach unseren Koffern gesucht und das Auto, welches uns schließlich zur Schule gebracht hat, war nicht wirklich verkehrstauglich.

Dieser erste Eindruck bestätigte sich in den kommenden Wochen aber zum Glück überhaupt nicht:

Ich habe in einer tollen Gastfamilie gelebt und habe – denke ich – einen guten Einblick in das Leben einer russischen Familie bekommen. Alle vier Familienmitglieder waren von Anfang an total freundlich und offen und haben sich darum bemüht, mir den Aufenthalt so schön wie möglich zu gestalten.

Meine Gastschwester, Christina, hat mich so vielen ihrer Freunde vorgestellt, wir sind mit ihnen durch die Stadt in der wir wohnten – Butovo – gelaufen, haben uns andere Städte angeschaut und am Wochenende bin ich sogar mit Christinas Freunden allein zu einem See gefahren und habe dort neue echt nette Leute getroffen.

Am letzten Abend war uns etwas langweilig und da kam Christina und ein Freund von ihr um halb eins in der Nacht auf die Idee, wir könnten doch Volleyball spielen gehen. Das hat echt viel Spaß gemacht, auch wenn der Platz schon geschlossen war, wir über den Zaun klettern mussten und ich am nächsten Tag wieder früh in der Schule sein musste.

Insgesamt sind alle Russen, die ich kennen gelernt habe auch unter der Woche äußerst spät ins Bett gegangen, meine Gastfamilie während meines Aufenthalts dort nie vor zwei Uhr in der Nacht.

Bei meinem Aufenthalt in Russland sind mir einige auch Dinge aufgefallen, die es in Deutschland so nie geben würde:

Der Seitenstreifen der Autobahn wurde ohne weiteres als Parkplatz oder weiterer Fahrstreifen genutzt oder Menschen haben dort ihren Obststand aufgebaut und Erdbeeren verkauft.

Viele Leute, die ich kennen gelernt hatte, wollten auch von mir wissen, was ich nach der Schule machen wollte und als ich sagte, ich wollte zur Polizei gehen, waren alle erstaunt darüber, dass ich freiwillig so einen Beruf ausüben möchte, da die Polizei in Russland wegen starker Korruption enorm verhasst zu sein scheint und keineswegs der „Freund und Helfer“ der Bevölkerung.

Mir hat die ganze Planung des Programms gut gefallen, dass wir zunächst in einer Gastfamilie waren und unser Urlaubsland und die Menschen dort kennen gelernt haben und dann mit allen Jugendlichen aus den anderen Ländern in Moskau und St. Petersburg zusammen in Herbergen waren und dort auch ganz bewusst so aufgeteilt wurden, dass möglicht viele verschiedene „Länder“ auf einem Zimmer vertreten waren und wir uns so näher kennen lernen konnten.

Besonders die Unternehmungen mit der ganzen Gruppe haben großen Spaß gemacht und man hat viel über andere Länder und Traditionen gelernt. Die Chinesen zum Beispiel scheinen ein komplett anderes Leben zu führen als wir: Für mich ist es schon lange, bis nachmittags um 4 Uhr in der Schule zu sein, die Chinesen hingegen erzählten von Tagen, in denen sie von halb acht morgens bis abends Schule hatten, dann dort ihre Hausaufgaben machen mussten und schließlich um halb zehn zu Hause waren!

Nicht nur die Leute waren also total nett, auch die Städte und Sehenswürdigkeiten, die wir uns angeschaut haben, waren echt schön - bunte Kirchen mit goldnen Kuppeln scheinen in Russland Normalität zu sein – und das Wetter hätte nicht besser sein können.

Wir haben so viele tollen Sachen gemacht: wir hatten eine Führung über den Kreml, haben viele Museen angeschaut, das Ballett „Schwanensee“ gesehen und an der Schule in Butovo und dem Kinderzentrum, in dem wir einen Tag waren, haben sie ein ganzes „Unterhaltungsprogramm“, bestehend aus russischen Volkstänzen, Gesang, Musik und Reden, für uns vorbereitet.

Die Reise war für mich also echt ein tolles Erlebnis, weil man so viele neue Kontakte zu Leuten aus anderen Ländern knüpfen konnte, erlebt hat, wie die Menschen in Russland leben, viel über Moskau und St. Petersburg erfahren und nebenbei auch noch sein Englisch verbessert hat.

Abschlussball der Schule
Jacob freut sich "indisch"
Auf dem Roten Platz

Vera schreibt: Russland mit GYI 2010

„Und was hat dir an dem Trip am besten gefallen?“, werde ich immer neugierig gefragt, wenn ich meinen dreiwöchigen Aufenthalt mit GYI in Russland erwähne. Eine Antwort zu geben fällt mir jedoch nicht leicht. Wir hatten jeden Tag so viele unterschiedliche Programmpunkte, wie zum Beispiel eine Führung in einem Kloster oder einen Aufenthalt in einem Freizeitpark mitten in Moskau, die man meiner Meinung nach nur schwer miteinander vergleichen kann.

Beim Durchgehen der zahlreichen Bilder wird mir bewusst, dass man zwar jeden Tag die Programmpunkte kannte, aber nie so recht wusste, was sich genau dahinter verbirgt. Ein Beispiel hierfür ist der Abschlussball der russischen Schüler, den alle GYI-Teilnehmer miterleben durften. Dabei haben alle von uns gemerkt, dass jeder andere Vorstellungen von einem Ball hat und auch jedes Land bzw. Religion ganz verschiedene Traditionen pflegt. In Russland kleiden sich die Schüler mit pompösen Kleidern und tanzen zu traditioneller Musik, in den USA werfen die Schulabgänger ihre „graduation caps“ in die Luft usw. – aber für jeden ist es ein wichtiger Moment, den wir mit unserer Familie und unseren Freunden teilen.

Vor allem hat man natürlich Russland näher kennen gelernt. Ein besonderes Erlebnis war für mich der Moskauer Verkehr. In der eindrucksvollen Metro zum Beispiel waren zur „rush-hour time“ wirklich Unmengen von Leuten. Ebenso auf den Autobahnen gab es viel zu sehen. Am Straßenrand konnte man sich Erdbeeren kaufen und man sah die verschiedensten Autos, von großen Geländewagen mit abgedunkelten Fenstern bis hin zu Autos mit sichtbaren Beulen vom letzten Unfall.

Fasziniert haben mich in Moskau und St. Petersburg besonders die Gebäude, da viele wirklich auffallend bunt gestaltet sind. Ein gutes Beispiel hiefür ist die bekannte Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz.

Letztendlich hat mir jedoch am besten gefallen, sich über die Unterschiede und natürlich auch die Ähnlichkeiten der Kulturen mit den Leuten aus zum Beispiel Indien oder China auszutauschen und jeden Tag einfach in den Tag hinein zu leben und sich von den Programmpunkten überraschen zu lassen.

Karsten Kamps: Das Leben in den russischen Gastfamilien

Ich hatte das große Glück, dass ich während meines Moskau-Aufenthaltes in drei verschiedenen Gastfamilien untergebracht wurde, so konnte ich viel über den Alltag in einer russischen Familie erfahren.
Die ersten Tage verbrachte ich bei einer armenischen Familie in einem riesigen Mehrfamilienhaus.

Gleich am ersten Abend erstaunten mich die Kochkünste der Familie, da ich dachte, dass ich während meines Russlandaufenthaltes Probleme mit dem Essen bekommen würde. Es gab Hähnchenkeulen und Bratkartoffeln, dazu einen russischen Salat. Alles schmeckte sehr lecker.

Da in unserem Stadtteil am meisten Menschen auf engem Raum wohnten, ist das Wassersystem etwas Besonderes gewesen. Jedes Hochhaus hat für zwei Wochen Warmwasser und danach wieder Kaltwasser. Das Wassersystem ist sonst nicht in der Lage, dem großen Bedarf an Warmwasser nachzukommen. Für meine Familie war das ganz normal. Jeden Morgen stellten sie für mich zwei große Eimer Heißwasser bereit. Das Wasser erhitzten sie für mich mit einem Wasserkocher.

Leider fährt die Familie jedes Jahr traditionell für einen Monat nach Armenien und so konnte ich nur drei Tage bei ihnen verbringen, da sie ihren „Heimaturlaub“ antreten wollten.

Den Rest der Zeit sollte ich bei einer pensionierten Englischlehrerin verbringen, die jedoch auch noch im Urlaub war. So wurde ich „zwangsmäßig“ für einen Tag bei einer dritten Familie untergebracht, die 40 Kilometer außerhalb von Moskau wohnte.

Nach Ende des GYI-Programms wartete ein Chauffeur auf uns, der meine Gastschwestern und mich nach Hause fuhr. Als Erstes fuhren wir in einen gesicherten Bezirk: Links und Rechts egal wo man hinschaute standen große Einfamilienhäuser, doch unser Weg war noch nicht zu Ende. In diesem gesicherten Gebiet verbarg sich nochmals ein weiterer Bereich für noch wohlhabendere Familien. Meine Gastgeber sind Eigentümer eines großen Trinkwasserunternehmens, die keine Scheu hatten ihren Reichtum offen zu zeigen. So hatten die Eltern ein Haus für sich, ebenso die Kinder und auch ich bekam für eine Nacht ein Gästehaus, das in der Nähe eines Swimmingpools lag.

Nach meinen ersten vier Tagen hatte ich schon die große Kluft zwischen Arm und Reich zu spüren bekommen: Die armenische Familie, die im Hochhaus (12 Stockwerke) wohnte und die Eigentümer eines riesigen Trinkwasserunternehmens.

Dann wurde ich in meiner letzten Gastfamilie untergebracht, einer pensionierten Englischlehrerin, die direkt in Moskau wohnte.

Sie war eine sehr geschichtsbegeisterte und diskussionsfreudige ältere Dame und ihr Englisch war sehr gut. So konnte sie mir viel über die russische Geschichte erzählen und wir diskutierten häufig über politische Themen.

Diese Zeit hat mir besonders viel Spaß bereitet, trotz unserer Altersunterschiede, sind uns nie unsere Gesprächsthemen ausgegangen und trotz unserer verschiedenen Ansichten konnten wir immer den Standpunkt des Anderen nachvollziehen und respektieren.

Alles in Allem hat mir die Zeit in den Gastfamilien sehr viel Spaß bereitet und es war sehr interessant für mich persönlich die große Kluft zwischen Arm und Reich in Moskau zu erfahren. Egal aus welcher Schicht die Familien stammten, alle haben das Möglichste getan. mir einen angenehmen Aufenthalt zu bereiten und ich habe mich in allen drei Gastfamilien sehr wohlgefühlt und den russischen Alltag – so verschieden er auch sein mag – kennengelernt.

hw