Besuch von FF Kapiti Coast, Neuseeland

Besuch vom anderen Ende der Welt

Das Welcome-Buffet im Bistro an der Vareler Schleuse

Das Austauschjahr 2014 wurde eröffnet mit den – nach Absagen und Krankheits-fällen -  leider nur noch 13 statt der avisierten 22 Gäste von FF Kapiti Coast, einem nördlich der Hauptstadt Wellington gelegenen Club. Neun Botschafter waren zuvor Gäste von Friendship Force Oxfordshire und trafen nach Landung in Hamburg mit Shuttlebussen am 21. Mai nachmittags auf dem Parkplatz des Vareler Rathauses ein. Vier Botschafter waren schon am Vortag direkt aus Neuseeland angereist und wurden von ihren Gastgebern bereits am Morgen in ihrem Hotel in Bremen abgeholt. Sie kamen dadurch in den Genuss einer privaten Stadtführung mit dem Besuch bei den auch in Übersee berühmten Bremer Stadtmusikanten, dem Roland und dem wunderschönen Renaissance- Rathaus. Renate und Karl-Heinz konnten dabei Gäste begrüßen, bei denen sie schon vor 20 Jahren bei ihrem ersten Austausch Aufnahme gefunden hatten!

Nach kurzem Aufenthalt bei den Gastgebern hieß es dann gleich „auf zur Welcome-Party“. Bei frühsommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein genossen alle das leckere Buffet im Bistro an der Vareler Schleuse, wo auch der draußen aufgestellte Strandkorb schon zahlreiche Bewunderer fand und gern nach Neuseeland exportiert worden wäre J. Die Vorstellung der Gäste zeigte, dass FF Varel die Ehre hatte, mit Mary und Alan Milne gleich zwei Träger der Wayne-Smith-Medal begrüßen zu dürfen. Diese wird von FF International an Mitglieder verliehen, die sich wie ihr Namensgeber in herausragender Weise dafür einsetzen, dass gegenseitiger Respekt, kulturelle Verschiedenheit  und humanitärer Dienst dazu beitragen, die Grenzen zwischen den Menschen zu überwinden.

Vor dem Vareler Rathaus
Empfang beim Buergermeister
Loeffeltrunk bei Hespe
In der Schlosskirche Varel

Schon am zweiten Tag wurde die Gruppe vom Bürgermeister Gerd-Christian Wagner begrüßt, der sich trotz der hektischen Vorwahlzeit eine Stunde Zeit nahm, einen Film über Varel zu zeigen und anschließend Fragen der Gäste zu beantworten. Jeder Botschafter konnte auch die leckeren, von Bahlsen in Varel produzierten Kekse probieren und bekam vom Bürgermeister anschließend eine Erinnerungsurkunde überreicht. Der Austauschleiter von Kapiti Coast, Graham Tufnail, hatte die Gegenrede der Gäste an Alan Milne delegiert. Dieser war in seiner Heimat lange Jahre Bürgermeister gewesen und wusste daher die Herausforderungen eines Amtsträgers in der Vorwahlzeit besonders zu würdigen. Es folgte der traditionelle Rundgang durch Varel, zu dem die Fa. Hespe wie immer einen Löffeltrunk ausgab und das Glockenspiel in Gang setzte. Beim Lernen des plattdeutschen Trinkspruchs und der Verkostung zeigten sich die Botschafter äußerst gelehrig! Mit Interesse wurden dann die von Frau Jetzki in der Schloßkirche in englischer Sprache gegebenen Erläuterungen verfolgt, denen sich auch zufällige Kirchenbesucher gern anschlossen. Inzwischen hungrig geworden, freuten sich dann alle auf das Mittagsbuffet im Café Haferkamp und die Gelegenheit, sich am nun anschließenden freien Nachmittag besser kennenzulernen. Dazu trugen auch die Einladungen von Mitgliedern bei, die selbst keine Gäste aufnahmen, aber gern zum Essen einluden.

Das Pestruper Gräberfeld
Die Kleinenknetener Regenschirme
Ein restauriertes Hünengrab

Am Freitag begann die von den Austauschleitern Manfred Diers und Gaby Friesen angekündigte „Zeitreise von der Steinzeit bis ins Übermorgen“ mit einer Führung im Pestruper Gräberfeld und zu den Kleinenkneter Steinen bei Wildeshausen. Hervorragend von Frau Ostermeier begleitetet, stellte sie die die Einzigartigkeit dieser zwischen 3500 und 2700 v.Chr. errichteten jungsteinzeitlichen Großsteingräber im gesamten norddeutschen Raum heraus- die damit älter als die Pyramiden von Gizeh sind. Sie galten im Volksglauben als von Riesen errichtet - daher die Bezeichnung „Hünengräber“. Riesenhaft war leider auch der Regen, der alle durchnässte, was die wetterfesten Neuseeländer aber nicht schreckte.
Beim Mittagsbuffet in der Brasserie am Wildeshauser Marktplatz wärmten sich alle wieder auf, bevor die Besichtigung der Alexanderkirche anstand. Mit den aus Rom hierher gebrachten Reliquien des heiligen Alexander war diese imposante Basilika schon früh ein berühmter Wallfahrtsort an einer der wichtigsten Handelsstraßen des Mittelalters.
Zurück aus der Kirche und mit einer Stärkung durch den Wildeshauser Schaffertrunk kehrte uns auch die Sonne wieder  ihr Gesicht zu und jeder hatte die Gelegenheit, die seit 1270 bestehende kleine Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Die Gäste waren von den uralten Kulturdenkmälern und den Zeugnissen der frühen Christianisierung begeistert, hatten sie dies in dieser Gegend doch nicht erwartet.

Der sich am Samstag anschließende Familientag wurde hauptsächlich  mit der Bewunderung der jetzt blühenden Rhododendren verbracht, sei es auf der wieder mal in Westerstede stattfindenden Ausstellung „Rhodo“ oder im Rhododendronpark in Linswege.

Am Torfspitt im Kayhausener Moor
Unser Moorführer Herbert

Am Sonntag ging es dann nach der Europawahl ab ins Kayhauser Moor bei Bad Zwischenahn. Bei wieder bestem Wetter war die Demonstration der Moorbildung seit 7000 Jahren, der harten Arbeit im Torfmoor zur Gewinnung von Heizmaterial und  der Vermarktung des Moors für Heilbäder durch den kundigen Führer Herbert Wehmhoff sehr interessant.
Es war mit Schnapspause, Verkostung von Torfsoden und Rutengang zur Suche nach Wasseradern (Sekt J) auch alles andere als eine „dröge“ Veranstaltung. Am Ende des Spaziergangs gab es noch einen Gruseleffekt mit dem Hinweis auf die 1922 dort gefundene Moorleiche- einen erstochenen und gefesselten etwa siebenjährigen Jungen, der zum ewigen Vergessen dort abgelegt wurde. Stattdessen haben seine Überreste nun im Museum für Natur und Mensch in Oldenburg ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Auch an diesem Abend wurden einige Gäste zum Grillen eingeladen von Mitgliedern, die selbst niemand aufnehmen konnten.

Der ort der Römerschlacht
FF Varel mit FF Kapiti Coast in Kalkriese
Einige uralte Waffeleisen

Den Höhepunkt der Themenwoche bildete die Busfahrt zum Museum und Park Kalkriese am Montag. Erst 1987 wurde der Ort der von Tacitus beschriebenen Schlacht des Varus gegen den Cherusker Arminius tatsächlich gefunden- nicht im Teutoburger Wald, sondern am Kalkrieser Berg in Bramsche bei Osnabrück. Eine englische Führung brachte allen die Ereignisse des Jahres 9 nach Christus sehr plastisch nahe. Wer wollte, konnte anschließend das Schlachtfeld, auf dem 30.000 Römer den Tod fanden, oben vom Turm oder bei einer Begehung besichtigen. Ein kleines Römisches Buffet stillte den Hunger, bevor vor den „Friedenszeichen“ (in Anlehnung an frühere römische Feldzeichen) das Gruppenfoto aufgenommen wurde. Zum Abschluss besichtigten alle die Waffelfabrik Meyer zu Venne, in der 90 % aller in Deutschland industriell weiter verwendeten Waffeln hergestellt werden- wer hätte das bei Cornetto und Dickmann gedacht…übrigens stammen auch noch  30 % der in Neuseeland verwendeten Waffeln aus diesem kleinen Ort.

Stadtführung in Oldenburg
Blick vom Schlossgarten auf die Lamberti-Kirche
Der Oldenburger Ratssaal

Zum Schluss der Themenwoche ging es in die selbst ernannte „Übermorgenstadt Oldenburg“. Die Austauschleiterin Gaby Friesen, gleichzeitig ausgebildete Gästeführerin, erzählte von ihrer Begeisterung für ihre Heimatstadt und brachte sie den Gästen nicht nur mit den üblichen Besichtigungen, sondern auch mit Kostproben und Andenken wie einer Ansichtskarte von Oldenburg nahe. Wer weiß denn schon, dass diese 1870 hier erfunden wurde? Höhepunkt war der Besuch des Ratssaals samt einer Begrüßung der Gruppe auf  dem Monitor im Eingangsbereich. Zum Abschluss konnte das Oldenburger Bier probiert werden, bevor Zeit für Shopping und eigene Erkundungen war

Einige unserer Gäste bei der farewell - Party
Ein Neuseeländischer Gesangsvortrag
Eine etwas andere Liebeserklärung zum Schluss

Am Spätnachmittag trafen sich dann alle wieder im Café 21 in Berne zur Farewellparty, wo die Gäste Geschenke überreichten und neben einem Maori-Liebeslied auch die neuseeländische Nationalhymne vortrugen. Helmut und Heide revanchierten sich mit einem deutschen Volkslied. Auch hier gab es wieder ein Buffet und die neuseeländischen Botschafter zeigten sich über so viel Bewirtung erstaunt und sehr erfreut. Mit nicht enden wollenden Umarmungen wurden die neu gewonnenen Freunde verabschiedet, die am folgenden Tag ihre Aufenthalte in Europa in ganz unterschiedlicher Weise fortsetzten.

 © gf/md

(Vielen Dank an Heinz B. für die Fotos )