Austausch nach Sibiu, Rumänien 2014

Ein persönlicher Bericht über die Austauschreise v. 09. bis 13. Juni 2014 nach Sibiu, Rumänien

Blick auf die Stadt Sighisoara (Schäßburg)

Sibiu oder Hermannstadt  – war wirklich eine Reise wert !  

Mit einer Gruppe von 14 Botschaftern von Friendship Force Varel besuchten wir vom 09. - 13. Juni 2014 den Friendship Force  Club von Sibiu  in Rumänien.  Die reine Flugzeit von Bremen über München nach Sibiu betrug ca. 3 Stunden. Sibiu oder auch Hermannstadt hat ca. 150.000 Einwohner und ist das Zentrum der Region Siebenbürgen, in der früher viele Deutsche gelebt haben. Ihr  Bevölkerungsanteil beträgt heute  nur noch 1,6 %.  Um 1147 erreichten vermutlich erste deutsche Siedler die Gegend und ab 1123 ist der Name „Villa Hermanni“ belegt, woraus dann später Hermannstadt wurde. Sibiu liegt ca. 450 m hoch, die Region ist umgeben von den Karpaten, die ein gemäßigtes Klima bewirken mit  Jahresdurchschnitts Temperaturen zwischen  14,6° und  3,3° C. 

Sibiu hat seit dem Jahr 2000 einen deutschstämmigen  Bürgermeister, der sehr angesehen ist. Die Wahlen für dieses Amt finden alle 4 Jahre statt und er erreichte stets einen Stimmenanteil zwischen 80 und 90 %. Nach Aussagen unserer Gastgeber hat er die Stadt zur saubersten und sichersten in ganz Rumänien gemacht und auch dafür gesorgt, dass Firmen aus Deutschland und Österreich hohe Investitionen getätigt haben. In 2007 war Sibiu zusammen mit Luxemburg Kulturhauptstadt Europas. Die Stadt wurde mit EU-Mitteln saniert und herausgeputzt und die zahllosen  Rosenbeete, die in der Stadt auffielen waren ein unerwarteter Anblick. Bei unserer Ankunft wurden wir am Flugplatz von den Gastgebern sehr herzlich empfangen und nachdem unser  Gepäck in den PKW´s verstaut war es ging zu zum Gastgeber von Heinz und Heinz, denn bei ihm war eine Welcome-Party vorbereitet.  Es war reichlich gedeckt  und die verschiedenen Gerichte und Salate waren appetitlich und schmeckten sehr gut. Dazu gab es reichlich zu trinken; wir hatten - neben Wasser - die Auswahl zwischen  Weißwein, Rotwein,  Brandy und Likör und… wir haben alles probiert, die „Prozente“ waren uns „egal“!!!! Anschließend ging es zu den jeweiligen Gastgebern, dem „Zuhause für die nächsten Tage“.

Begrüßung auf dem Flughafen von Sibiu
Die Welcome Party war bereits vorbereitet
Eine Stadt voller Rosen

Am nächsten Morgen mussten wir früh aufstehen, denn Rumänien ist in der Zeitzone eine Stunde voraus. Um 8.30 Uhr Ortszeit war Abfahrt vom vereinbarten Treffpunkt mit dem Bus zu einer Tagestour nach Sighisoara (Schäßburg), ca. 90 km gen Norden. Die Fahrt auf einer teilweise neuen bzw. im Bau befindlichen Fernstraße - finanziert mit EU-Mitteln - führte uns durch ein landschaftlich sehr schönes Gebiet mit Hügeln und Tälern. In den Orten, die wir passierten, fielen die aneinander gereihten kleinen Häuser auf, die Straßenfront farbenfroh gestrichen - von weiß über gelb, beige, braun, grün, blau und rot waren alle Farbtöne vertreten - nur schwarz fehlte - und überall sah man Blumen vor den Häusern!

...schmucke bunte Häuser mit Blumen
Eine Landschaft mitten in den Karpaten....
....mit Wald und Hügeln

Während  unserer Fahrt sahen wir aber auch beschränkte Umstände und Bedürftigkeit, die in weiten Teilen des Landes noch vorherrscht. Wir beobachteten  Bauern, die nach herkömmlicher Art auf dem Felde arbeiteten, indem sie  mit der Hacke das Unkraut entfernten  und den Boden auflockerten, das Heu mit Harke und  Forke bewegten  und mit Pferdewagen neben oder auf der Straße  ihre Fuhren bewegten. Die am Straßenrand angebotenen handgefertigten Waren aus Kupfer fanden zwar unser touristisches Interesse, aber das Aushandeln der Preise gestaltete sich so mühselig, dass wir ohne Einkauf weiter fuhren.

Ein Pferdegespann ist hier noch ganz normal
Der Handel mit Kupfer am Straßenrand... kein Deal für uns

  Wir erreichten Sighisoara (Schäßburg), im 12. Jahrhundert gegründete Stadt gilt noch heute als eine der schönsten und am besten erhaltenen mittelalterlichen Städte Europas. Es ist übrigens  auch der Geburtsort von „Graf Dracula“. Wahrzeichen der Stadt ist die Zitadelle, die ebenfalls im 12. Jahrhundert erbaut wurde. Sighisoara war über mehrere  Jahrhunderte eine militärische und politische Hochburg und um sich vor türkischen Angriffen zu schützen,  schuf man ein starkes Abwehrsystem mit einer Mauer um die gesamte  Stadt und mit 14 Türmen und Bastionen, die in alle vier Himmels- richtungen ausgerichtet waren. Die Türme waren von den unterschiedenen Zünften, u.a. von Schmieden, Metzger, Schuster, Seiler, Schneider usw…, erbaut und wurden auch von diesen verteidigt. Mittelpunkt der Zitadelle ist ein kleiner Platz, auf dem früher Märkte und Messen abgehalten wurden,  aber auch öffentliche Hinrichtungen und Hexenprozesse fanden hier statt. Rund um den Platz findet man interessante Häuser, u.a das Dracula-Haus, das heute ein Restaurant ist und  in dem wir zu Mittag gegessen haben.

Das Stadtzentrum von Shigishoara
Die gut erhaltene Altstadt mit Wehrturm
Dracula lässt grüßen
Im Rosengarten irgendwo in Medias

Ein weiteres ist der Uhrturm  - wir sind seine vielen Treppen hinaufgestiegen, oder  die Kirche des Dominikanerklosters, oder die Kirche auf dem Hügel (Bergkirche), die nur über 142 Stufen erreichbar ist.   Auf der Rückfahrt machten wir Station in Biertan. Im 13. Jahrhundert kolonisierten Sachsen dieses Gebiet und erbauten eine Kirche, die noch heute als bedeutendes, historisches und architektonisches Bauwerk gilt. Sie wurde erbaut im späten Gothikstil mit speziellen Elementen der Renaissance. Eine junge Studentin mit guten Deutschkenntnissen erzählte uns, dass diese Kirche früher von allen Deutschen in größerem Umkreis besucht wurde, jetzt aber nur noch 10 bis 20 Gläubige kommen, da der Anstieg zur Kirche insbesondere für die älteren Menschen  zu beschwerlich geworden ist. Ein Gottesdienst findet nur noch einmal im Monat statt und der Pastor kommt aus der nächstgrößeren Stadt. Vor zwei Jahren fanden noch eine Hochzeit und drei Konfirmationen statt, in diesem Jahr bisher nur eine Hochzeit.

Die große othodoxe Kirche
Ein Platz zum Ausruhen
Die "Kaffeepause" mit Kuchen und Wein
die Bergkirche

  Nach der Besichtigung einer anderen großen evangelischen Kirche in Medias, Verzehrten wir den restlichen  Kuchen von der Welcome-Party und in Ermangelung von Kaffee und Tee tranken wir eben Weißwein dazu!! Gegen 18.30 Uhr - kurz vor einem einsetzenden Gewitter - erreichten wir wieder Sibiu, wo wir bereits von den Gastgebern erwartet wurden. Dienstag  war Sibiu - Sightseeing angesagt.
Michael, das jüngste Mitglied von FF Sibiu, ein Student, der sehr gut Deutsch sprach, führte uns durch die hügelige Stadt, mal rauf mal runter. Er klärte uns über die Sehenswürdigkeiten auf, wie das Brukenthal-Palais, das Rathaus, das Luxemburghaus,  das Bischof – Teutsch – Denkmal.
Den Mittelpunkt von Sibiu bilden der große und der kleine Marktplatz, die gesäumt sind von Geschäften und Gastronomie – insbesondere „outdoor“  vor den Häusern -. Hier pulsiert das Leben, insbesondere abends und bei gutem Wetter, wie wir es erlebten durften. Nach einigen Kilometern bei über 30° machten wir unsere verdiente Pause in einem ungewöhnlichen Cafe mit Bücherei.
Zunächst erfreuten wir uns an Kaffee, Tee und Eis und danach am Erwerb von Kalendern, Broschüren und Postkarten. Nach einer weiteren Besichtigungsgang  entlang der Stadtmauer mit ihren Wehrtürmen beendeten wir unsere Tour und verbrachten den restlichen Tag mit den jeweiligen Gastgebern.

Sibiu und seine Plätze
Das Teutsch Denkmal
Die "unendlich" scheinende Stadtmauer
...in der Altstadt

Mittwochmorgen brachten uns die Gastgeber zu einem Waldgebiet außerhalb von Sibiu, in dem sich befand ein Freilicht-Museum befand, ähnlich wie in Cloppenburg nur größer.. Auf einer Fläche von ca. 100 ha konnte man auf einem Rundweg über etwa 11 km das Projekt „erlaufen“. Das Museum ist in 6 Sektoren aufgeteilt: Bauernhöfe, verschiedene Werkstätten von Handwerkern, Mühlen, Industrieanlagen, verschiedene Architektur sowie Kirchen. Die Anlage wird ständig erweitert und befindet sich in einem sehr guten  Zustand. Maria, Gastgeberin von Luise, war an diesem Tag unsere Begleiterin und gab die notwendigen Erklärungen.   Am Abend war die Farewell-Party. Wir trafen uns dazu in einem Lokal, dessen  Räumlichkeiten aufgrund der Außentemperaturen so sehr aufgeheizt waren, dass auch die aufgestellten Kühlmaschinen nicht viel Erleichterung erwirken konnten. Neben uns noch nahmen etwa 20 Gastgeber an der Party teil. Es war ein abwechslungsreiches Buffet aufgebaut und auch den von Teo mitgebrachten Wein aus eigener Herstellung ließen wir uns schmecken. Nach den offiziellen  Grußadressen der beiden Austauschleiter, der Übergabe der Geschenke und unserer Einladung an FF Sibiu, uns bald in Varel zu besuchen, sangen  Vareler  Gäste das Lied der „Nordseewellen“ und die Gastgeber revanchierten sich mit einem wunderschönen Volkslied. Der Abend musste leider viel zu früh beendet werden, denn die Nacht war bereits um 4.00 Uhr zu Ende, weil unser Flieger für  6.30 Uhr geplant war. Nach einem 4-Stunden-Zwischenstopp in München erreichten wir kurz nach Mittag Bremen, verabschiedeten uns voneinander und machten uns auf denHeimweg.

... die privaten Brennereien sind wohl ein Hobby
Ein besonderer Blick auf das riesige Freilichtmuseum im Wald
Die ED präsentation zur Farewell Party...
...und hier die aufmerksamen Zuhörer
...unsere neuen Freunde

Fazit: Sibiu war eine Reise wert! Wir haben viele neue Eindrücke von einem Land aus Osteuropa gewonnen und ebenso etliche neue Freunde!  
ET / Fotos ET u. hb