Besuch bei FF Kolhapur, Indien

Nach einigen interessanten Tagen in Mumbai und Goa machte sich Ende November eine 6-köpfige Delegation unseres Vereins auf den weiten Weg nach Kolhapur im Bundesstaat Maharashtra/Indien, um dort bei der Gründung eines neuen Clubs behilflich zu sein.
Die Stadt ist mit ca. 500 000 Einwohnern verhältnismäßig klein.
Unsere Gastgeber empfingen uns in ihrer eigenen privaten Schule (genannt „Public school“ nach englischem Vorbild). Den Männern wurden Turbane gewickelt, wir alle bekamen Hand geflochtene Girlanden umgelegt und wurden mit einer Segenszeremonie bedacht. Die Schüler des Deutschunterrichts sangen deutsche Lieder für uns, die Pfadfinder wiesen uns in ihre Riten ein.
Überraschenderweise wurden drei von uns in den Gasträumen der Schule untergebracht. Das entspricht zwar nicht ganz den FF Gepflogenheiten, hatte aber den Vorteil, dass wir das 25 m Schulschwimmbad benutzen konnten. Auch sonst fehlte es uns dort an nichts. Jeden Morgen erhielten wir ein frisch gekochtes indisches Frühstück, und selbstverständlich sahen wir auch unsere Gastgeber täglich. Beide sind der Schule immer noch eng verbunden, Shobha Tawde, eine bekannte und hoch geehrte Frau in Kolhapur, ist die „Managerin“. Für sie und auf ihren Wunsch gründete vor Jahren ihr Mann Kishore (zukünftiger Leiter des FF Clubs) die Schule.
Man zeigte uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt und ihrer Umgebung. Die vielen Tempel waren beeindruckend, wie z.B. der erst 70 Jahre alte Vipashana, wo wir wie alle anderen Besucher unsere Augenlider mit dem Wasser des Krishna Flusses benetzten, bevor wir ehrfürchtig am Heiligtum vorbei schritten. Kurz darauf standen wir bewundernd vor dem im 11. Jh. aus dem Felsen heraus gemeißelten großartigen Khidrapur Tempel , der über und über mit gemeißelten Figuren geschmückt ist.
Die Abende waren Festlichkeiten vorbehalten. Es ist üblich, dass sich bereits beim Essen ein Herren- und ein Damenkreis bilden. Die Damen sahen aus wie Paradiesvögel in ihren eleganten, farbenfrohen Saris.
Beeindruckend waren vor allem auch die Gespräche mit unseren Gastgebern, die uns die Lebensweise und –weisheit der Inder erkennen ließen. Wie wird wann welcher Sari getragen, woher nimmt die Bevölkerung angesichts der sie umgebenden Armut die gelassene Freundlichkeit, welche Bedeutung spielt die Religion, wie kommen die jungen Leute der „besseren“ Gesellschaft damit zurecht, dass ihre Ehen von den Eltern arrangiert werden? Alle Fragen wurden diskutiert und beantwortet. In diesen Kreisen wirkten die jungen Frauen durchaus zufrieden mit der Wahl ihrer Eltern. Das wird sicher nicht überall so sein.
Auch die Großzügigkeit unserer neuen Freunde erregte Erstaunen und Bewunderung.
Bedingt durch die Fremdartigkeit war die Neugierde auf beiden Seiten groß, und das gegenseitige Verständnis wuchs von Tag zu Tag. Die anfänglichen Berührungsängste (wörtlich!) wichen am Tag des Abschieds herzlichen Umarmungen. „Ich habe eine Freundin fürs Leben gefunden.“ Diese Worte durfte ich glücklich und stolz von meiner Gastgeberin hören. Für Ende des Monats Januar bin ich zur Hochzeit der Tochter eingeladen, zu der 6000 Leute erwartet werden. Aber das habe ich schweren Herzens abgesagt.
Wie immer fiel der Abschied schwer. Ein Wiedersehen erhoffen wir in Deutschland für 2014. Der neue indische Club befindet sich in der Gründung.

Holly Meyer-Pittroff

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